Motorrad winterfest machen - so geht's

Falls Ihr mit Eurer Maschine nicht das ganze Jahr über unterwegs seid, dann empfiehlt es sich das Gerät vor dem Winter auf die längere Standzeit vorzubereiten. Denn das erspart Euch im Frühling nicht nur Frust, wenn der Hobel nicht anspringen will, oder sich in der feuchten Garage womöglich Rost an den schönen Bauteilen gebildet hat. Standschäden können nicht so ganz unerheblich für den Gelbeutel sein....
Hier also meine Tipps für ein „sicheres“ Überwintern:

1.     Spritfass voll machen, oder lieber nicht?

Einen Blechtank sollte man bis zur Oberkante befüllen, wenn der Bock auf einem Haupt- oder Montageständer ruht. Das verhindert mögliche Rostbildung an der Innenseite. Wer möchte kann auch einen sogenannten Benzinstabilisator in den Tank schütten. Laut diverser Hersteller konserviert und schützt das Additiv den Kraftstoff vor Alterung und Oxidation. Außerdem soll Korrosion im Kraftstoffsystem verhindert werden.
Anders sieht es bei Kunststofftanks aus. Hier sollte so wenig wie möglich Sprit drin sein, da bei längerer Standzeit Bestandteile des Kraftstoffes durch die Tankwandung diffundieren können.

2.     Ölwechsel

Das spart Euch nicht nur die langen Wartezeiten im Frühling, wenn der Händler mal wieder nicht weiß wo ihm der Kopf steht, sondern verhindert auch dass sich die gelösten Schwebstoffe und sonstiger Plunder im Altöl irgendwo in Eurem Motor ablagert. Also – selber wechseln, oder noch fix vor dem Winter machen lassen.

3.     Vergaser entleeren

Falls Euer Reiteisen noch mit einem Vergaser ausgestattet ist, dann solltet Ihr den Benzinhahn rechtzeitig schließen und den Vergaser leer machen. Ansonsten die Schwimmerkammern leer laufen lassen. Ablassschraube öffnen, Sprit unterm Motor auffangen (Ablassschlauch) und entweder zum Reinigen benutzen, ins Zippo füllen oder in den Tank zurück schütten. Hinweis: Ablassschraube wieder zudrehen, sonst habt Ihr im Frühling ein Problem.

4.     Kühlflüssigkeit prüfen

Dazu gibt’s nicht viel zu sagen – einfach nach der Füllmenge schauen und im Zweifelsfall erneuern, auffüllen oder mit Frostschutzmittel versehen. Achtet dabei bitte auf die Herstellerangaben.

5.     Putzen und Konservieren

Macht den Hobel sauber! Insektenreste oder auch Vogelkacke frisst sich nicht nur in den Lack, sondern macht auch die Cockpitscheibe trübe. Die Kette reinigen und frisch fetten hat auch noch nie geschadet. Wenn Ihr schon dabei seid, Bowdenzüge und sonstige beweglichen Teile vertragen gerne ein wenig Schmierstoff. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich die Funktion von allen anderen Bauteilen prüfen … Im Serviceplan Eurer Maschine stehen da sicher noch ein paar Tipps!
Falls Ihr keinen Bock darauf habt – Euer Händler bietet vielleicht auch die Möglichkeit einer professionellen Überwinterung an – fragt den einfach mal.
Ansonsten sollten die lackierten Teile eine kleine Politur erhalten, Gummi- und Kunststoffteile freuen sich über Pflegemittel und verchromte Dinge sowie blanke Metallteile (Auspuff, Felgen, Speichen, Lenker, Spiegel etc.) können mit einem ölgetränktem Lappen oder auch mit Petroleum eingerieben oder eingesprüht werden. Die olle Flitspritze kann man ja mal wieder hervorkramen. Die ältere Generation weiß wovon ich rede – die Jungen dürfen gerne „googeln“ ...ach ja, dabei bitte nicht die Bremse voll sauen!

6.     Batterie laden oder ausbauen?

Batterie ausbauen und an einem trockenen, kühlen Ort frostsicher aufbewahren sagen die einen, die anderen meinen spezielle Ladegeräte, die die Batterie permanent überwachen und somit eine mögliche Tiefenentladung verhindern, sind das Nonplusultra. Ich schwöre auf letzteres. Den Säurestand an herkömmlichen Batterien prüfen und wenn erforderlich bis zur oberen Füllhöhe mit destilliertem Wasser auffüllen sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

7.     Reifendruck erhöhen

Steht Eure Maschine auf ihren Rädern, erhöht einfach der Druck um 0,5 bar. Sollten die Räder nicht den Boden berühren, beispielsweise auf einem Montageständer, dann könnt Ihr den Luftdruck normalerweise so lassen, wie er ist. Alternativ zu einem Montageständer kann man auch 'ne Bierkiste drunter stellen. Tipp: vorher mit den Kumpels austrinken! (Grill und Bratwurst nicht vergessen)

 

Zu guter Letzt noch ein, zwei Bemerkungen zum Stellplatz. Wenn der Hobel in der Garage steht, dann achtet darauf keine PVC-Plane darüber zu hängen. Besonders wenn ihr die Dose im Winter in die Behausung bugsiert, tropfen Schnee und Salzwasser auf den Garagenboden. Schnell bildet sich dann Schwitzwasser unter der Plane und das ist ja nicht Sinn und Zweck der Übung. Bewährt haben sich Stoffhüllen für Motorräder, bei mir ist es ein altes Spannbettlaken. Die Garage gelegentlich mal zu lüften schadet gewiss auch nicht.  Muss das Schätzchen im Freien überwintern, dann natürlich eine wasserdichte Pelerine verwenden. Aber auch da ab und an einmal nach Schwitzwasser schauen und an sonnigen Tagen entlüften tut der Maschine gut.
Den Ofen im Winter ab und zu einmal laufen zu lassen halte ich für keine gute Idee. Zum einen erwärmt sich der Motor nicht gleichmäßig, das Getriebe zum Beispiel wird ja gar nicht genutzt. Zum anderen bildet sich im Motor möglicherweise Schwitzwasser, und das kann einem in der neuen Saison ganz schön den Tag versauen. Das der Vergaser dabei wieder voll läuft, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.
Sollte ich bei meinem Geschreibsel hier irgendetwas vergessen haben, oder Ihr habt noch „den“ Tipp auf Lager, dann lasst mich (uns) nicht dumm sterben und schreibt mir einfach.

In diesem Sinne: kommt gut über den Winter!

Euer
Hagen

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